Jg. 4, Nr. 2 (2012)

Populrkultur und sthetische Alltagspraxis

Der Begriff des Populren ist schillernd und nicht frei von Ambivalenzen. Auf der einen Seite dient er der Beschreibung von Artefakten, die sich durch allgemeine Bekanntheit, Vertrautheit und Zugnglichkeit auszeichnen. Diese Dimension des Begriffes, in der das Populre als positive Bewertungskategorie erscheint, hat als Kehrseite die Dimension der massenmedialen Verbreitung, auf die bezogen sich Bekanntheit und Zugnglichkeit als kommerzielles Kalkl einer Kulturindustrie erweisen. Das jedermann Zugngliche steht unter dem Verdacht, als Gestaltungsmaxime den kleinsten gemeinsamen Nenner zu nehmen, dem jede Spezifik, Einmaligkeit, Individualitt und jedes knstlerische Wagnis abgeht.

Doch die kommerziell gesteuerte massenmediale Verbreitung von Artefakten bildet nur eine Seite populrkultureller Erscheinungsformen. Ihr gegenber steht die Bildung von Subkulturen, d.h. die Entstehung sthetischer Zeichensysteme, die fr die jeweils spezifische Gruppe zusammenhaltende, identittsstiftende Funktionen hat. Das Populre im Sinne von zugnglichen Artefakten und sthetischen Alltagspraxen geht nicht in Massenphnomenen auf, sondern kreiert eigene soziale und politische Rume. In diesem Sinne, weil das eine ebenso wenig wie das andere aus dem Feld des Populren wegzudenken ist, lsst sich bezogen auf den Begriff des Populren von einer Ambivalenz sprechen. Die Analysen der cultural studies wenden sich dieser Ambivalenz zu und thematisieren populre Kulturen unter dem Aspekt ihrer alltglichen Praxen und individuellen Bedeutungen.

Die vorliegende Ausgabe versammelt Beitrge, in denen Aspekte der Ambivalenz Bercksichtigung finden, wobei der Fokus einerseits auf die Beschreibung von Phnomenen sthetischer Alltagspraxis in historischer (Eberhard) und aktueller Perspektive (Marian, Brunner) sowie dahinter liegende Modelle kultureller Teilhabe (Flath) gelegt wird. Andererseits richtet sich das Interesse auf die Frage der Ermglichung von Differenzerfahrungen in kunst- und theaterpdagogischen Inszenierungen (Griebel, Zumhof). Abschlieend wird das Phnomen einer Stilisierung und Verklrung der sthetischen Praxis des Singens in filmischen Darstellungen thematisiert (Wulff).

Inhaltsverzeichnis

La Prire dune Vierge. Facetten des ambivalenten Umgangs mit populrer Klavierliteratur im 19. und 21. Jahrhundert  
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Daniel Mark Eberhard
Tango als Improvisation. Knstlerisches Wagnis und tanzpdagogische Implikationen  
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Florica Marian
Umgang mit Populrer Musik. Eine empirische Studie zur Erstbegegnung Jugendlicher mit Populrer Musik  
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Georg Brunner
Ambivalenzen der Rezeption von Popmusik zwischen konomie und sthetik  
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Beate Flath
Ding, Unding, nicht unbedingt. Zur ambivalenten sthetik kindlicher Alltagsgegenstnde  
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Christina Griebel
Luft anhalten und an Spinoza denken. Erwin Wurms One-Minute-Sculptures als Einstieg in die produktive Theaterdidaktik  
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Tim Zumhof
Gemeinsames Musizieren im Film. Notizen zu einer dramaturgischen Elementarfunktion  
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Hans J. Wulff

Tagungsbericht

Knste Sinne Bildung: Wie gelingt sthetisches Lernen? BKJ-Fachtagung am 5. und 6. Oktober 2012 in der Akademie Remscheid  
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2009-2016 ZEITSCHRIFT STHETISCHE BILDUNG (ISSN 1868-5099)